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Mitgliederbindung im Tennisverein

Nicht jede Pause muss ein Abschied sein

Wie Tennisvereine junge Mitglieder in Ausbildung, Studium und Beruf besser mit dem Club verbunden halten können.

Junger Tennisspieler mit Schlägertasche auf dem Weg über einen Campus

Im Jugendtraining herrscht häufig reger Betrieb. Kinder und Jugendliche trainieren regelmäßig, spielen in Mannschaften und treffen ihre Freunde auf der Anlage. Einige Jahre später sieht das Bild oft anders aus. Mit dem Ende der Schulzeit beginnt für viele junge Menschen eine neue Lebensphase, und ein Teil von ihnen verschwindet nach und nach aus dem aktiven Vereinsleben.

Tennis ist dadurch nicht automatisch unwichtig geworden. Aber regelmäßiges Training, feste Mannschaftstermine und verlässliche Routinen lassen sich häufig schwerer in den Alltag integrieren. Für Tennisvereine entsteht daraus eine wichtige Frage: Muss eine Phase mit weniger Tennis zwangsläufig zum vollständigen Abschied vom Verein führen?

Der Bruch nach dem Jugendalter ist deutlich sichtbar

Die Zahlen des Deutschen Olympischen Sportbunds zeigen, dass der Rückgang nach dem Jugendalter kein reines Tennisphänomen ist. In der Altersgruppe von 15 bis 18 Jahren sind noch deutlich mehr junge Menschen Mitglied in mindestens einem Sportverein als bei den 19- bis 26-Jährigen.

Auch die Mitgliederzahlen des Deutschen Tennis Bundes machen den Einschnitt sichtbar. In deutschen Tennisvereinen sind rund 125.000 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren gemeldet. Die Gruppe der 19- bis 26-Jährigen umfasst zwar ebenfalls rund 130.000 Mitglieder, deckt aber doppelt so viele Geburtsjahrgänge ab.

AltersgruppeMitglieder im DTBAltersjahrgängeDurchschnitt je Jahrgang
15 bis 18 Jahreca. 125.0004ca. 31.300
19 bis 26 Jahreca. 130.0008ca. 16.300

Der Vergleich ersetzt keine langfristige Verfolgung einzelner Spielerinnen und Spieler. Er macht aber eine Entwicklung anschaulich: Nach dem Jugendalter ist die Präsenz im Tennisverein erheblich geringer.

Eine Lebensphase voller Veränderungen

Die Gründe dafür sind nachvollziehbar. Der Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium oder Beruf ist eine Phase, in der sich viele Routinen verändern. Wer auswärts studiert, ist vielleicht nur noch an einzelnen Wochenenden zu Hause. Wer in eine Ausbildung startet oder neu im Beruf ist, kann freie Zeit oft deutlich schlechter planen als früher. Und wer umzieht, verliert häufig den gewohnten Kreis an Mitspielern.

Für Tennisvereine ist wichtig: Nicht jeder Austritt ist Ausdruck mangelnder Begeisterung für den Sport oder fehlender Verbundenheit mit dem Club. Manchmal passen die bisherigen Angebote schlicht nicht mehr zum neuen Alltag.

Mitgliederbindung beginnt nicht erst beim Austritt

Wer junge Mitglieder langfristig halten möchte, sollte sich nicht erst Gedanken machen, wenn eine Kündigung eingeht. Die Grundlage entsteht schon vorher, in den Jahren, in denen Kinder und Jugendliche regelmäßig auf dem Platz stehen.

Studien zur langfristigen Sportteilnahme zeigen immer wieder dieselben Faktoren: Spaß am Sport, soziale Zugehörigkeit, Unterstützung durch Trainer, Eltern und Gleichaltrige sowie das Gefühl, sportlich etwas zu können und dazuzugehören. Für die Vereinsarbeit ist das eine nützliche Erinnerung. Langfristige Bindung entsteht nicht allein durch Vorhand- und Rückhandtechnik. Sie wächst auch durch Freundschaften, gemeinsame Erlebnisse und das Gefühl: Das ist mein Sport. Hier gehöre ich hin.

„Tennis ist nicht nur ein Termin im Kalender, sondern wirklich ein Teil des eigenen Lebens. Genau diese Bindung wird später wichtig, wenn Ausbildung, Studium oder Beruf den Alltag verändern.“

Verdichteter Kerngedanke aus dem Gespräch mit Philipp Schneider, TC Brackwede e.V.

Nachgefragt: Wie blickt ein Sportwart auf die Übergangsphase?

Für diesen Beitrag hat Sherzod Khaydarov telefonisch mit Philipp Schneider gesprochen. Philipp ist 2. Sportwart im TC Brackwede e.V. Im Gespräch geht es nicht um ein fertiges Konzept, sondern um Beobachtungen und Ideen aus dem Vereinsalltag.

Interviewauszug

Sherzod

Philipp, ihr beobachtet bei euch ebenfalls, dass Jugendliche nach der Schulzeit nach und nach aus dem aktiven Vereinsleben verschwinden. Woran merkt ihr das?

Philipp

Solange Jugendliche regelmäßig zum Training kommen, in einer Mannschaft spielen und ihre Freunde auf der Anlage treffen, läuft vieles ziemlich selbstverständlich. Nach der Schule verändert sich dann oft sehr viel auf einmal. Einige beginnen eine Ausbildung, andere ziehen für das Studium in eine andere Stadt. Später kommt vielleicht der Berufseinstieg dazu. Dann passen die bisherigen Zeiten und Routinen nicht mehr so gut zum Alltag.

Sherzod

Also müsste man früher ansetzen, solange die Jugendlichen noch regelmäßig auf dem Platz stehen?

Philipp

Ich glaube schon. Es reicht wahrscheinlich nicht, wenn Jugendliche Tennis nur als festen Trainingstermin erleben. Schön ist es doch, wenn sie auch selbst spielen, sich mit Freunden verabreden und gerne auf der Anlage sind. Dann entsteht eine andere Bindung. Auch das verhindert keinen Umzug oder eine stressige Ausbildung, aber vielleicht bleibt die Motivation größer, den Kontakt nicht vollständig abreißen zu lassen.

Sherzod

Welche Ideen findest du spannend, wenn junge Mitglieder nur noch unregelmäßig vor Ort sein können?

Philipp

Ich finde den Gedanken interessant, stärker über flexible Möglichkeiten nachzudenken. Wenn jemand auswärts studiert und nur gelegentlich zu Hause ist, stellt sich schon die Frage: Muss es wirklich nur die Wahl zwischen einer vollständigen aktiven Mitgliedschaft und dem Austritt geben? Vielleicht können reduzierte oder ruhende Mitgliedschaften in solchen Phasen sinnvoll sein. Denkbar wären auch lockere Spielangebote in den Semesterferien oder zu Zeiten, in denen viele wieder zu Hause sind.

Sherzod

Aus meiner Erfahrung mit dem Schnuppertraining weiß ich, wie wichtig es ist, schnell jemanden zum Spielen zu finden. Gilt das auch für Jugendliche, die schon lange im Verein sind?

Philipp

Auf jeden Fall. Gerade wenn die bisherigen Trainingsgruppen irgendwann auseinandergehen, wird das wichtig. Wenn jemand spontan Zeit und Lust auf Tennis hat, aber erst lange herumtelefonieren muss, findet das Spiel am Ende vielleicht gar nicht statt. Deshalb finde ich es spannend, wenn man unkompliziert sehen kann, wer ebenfalls spielen möchte. Auch offene Spielrunden oder lockere Doppelabende könnten helfen.

Sherzod

Welche Rolle können digitale Werkzeuge dabei spielen?

Philipp

Sie können vor allem helfen, die Hürde niedrig zu halten. Auch wer nur gelegentlich spielt oder nicht mehr regelmäßig vor Ort ist, sollte trotzdem mitbekommen, was im Verein passiert. Wenn spontan ein freier Abend da ist, wäre es gut, unkompliziert einen Mitspieler zu finden und vorher einen Platz zu reservieren. Aber eine App allein reicht natürlich nicht. Am Ende braucht es auch Menschen, die Jugendliche persönlich ansprechen und ihnen zeigen: Ihr gehört weiterhin dazu.

Was kann ein Verein konkret tun?

Es wird nicht die eine Maßnahme geben, die für jeden jungen Menschen und jeden Verein gleichermaßen funktioniert. Trotzdem lohnt es sich, einige Fragen sehr konkret zu stellen:

Einige Vereine bieten bereits reduzierte Mitgliedschaften für Studierende, Auszubildende oder auswärts wohnende Mitglieder an. Andere ermöglichen eine passive oder ruhende Mitgliedschaft. Solche Modelle lösen nicht jedes Problem. Sie können aber verhindern, dass ein junger Mensch aufgrund einer vorübergehend schwierigen Lebensphase den Kontakt komplett verliert.

Digitale Werkzeuge können den Kontakt erleichtern

Eine App ersetzt keine persönliche Ansprache, keine guten Trainer und kein lebendiges Vereinsleben. Sie kann aber dabei helfen, die Hürden möglichst niedrig zu halten.

Wer nur unregelmäßig vor Ort ist, sollte trotzdem sehen können, was im Verein passiert. Wer spontan einen freien Abend hat, sollte unkompliziert nach einem Mitspieler suchen und einen Platz buchen können. Einladungen, Termine und Vereinsnews sorgen dafür, dass der Club im Alltag sichtbar bleibt, auch in einer Phase, in der jemand seltener auf der Anlage steht.

Auch die persönliche Wahrnehmung des eigenen Sports spielt eine Rolle. In tennify macht die Funktion „Meine Saison“ sichtbar, wie häufig jemand gespielt hat, mit wem er auf dem Platz stand und was im Laufe eines Tennisjahres zusammengekommen ist. So bleiben einzelne Buchungen nicht nur einzelne Termine. Sie werden Teil einer persönlichen Tennisgeschichte.

Nicht jede Pause muss ein Abschied sein

Ein Tennisverein kann einen Studienort nicht näher an die Heimat rücken und einen Berufseinstieg nicht weniger anspruchsvoll machen. Er kann auch nicht verhindern, dass sich Interessen und Lebenswege verändern.

Aber er kann jungen Mitgliedern vermitteln: Auch wenn du vorübergehend weniger Zeit hast, gehörst du weiterhin dazu. Dafür braucht es nicht zwingend ein großes Konzept. Manchmal beginnt es mit einfachen Fragen, flexibleren Möglichkeiten und dem ehrlichen Interesse daran, was junge Menschen in dieser Lebensphase brauchen.

Denn wer den Kontakt hält, schafft zumindest die Chance, dass aus einer Pause kein endgültiger Abschied wird.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Deutscher Olympischer Sportbund: Bestandserhebung 2025, Organisationsgrad des Deutschen Sports 2025.
  2. Deutscher Tennis Bund: Mitgliederzahlen 2025, Bestandserhebung nach Altersgruppen.
  3. Gropper, Hannes; John, Jannika M.; Sudeck, Gorden; Thiel, Ansgar: „The impact of life events and transitions on physical activity: A scoping review“, PLOS ONE, 2020.
  4. Zhang, Minghui et al.: „Predictors of Persistent Participation in Youth Sport: A Systematic Review and Meta-Analysis“, Frontiers in Psychology, 2022.

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